Kostenträger stellen sich hinter das PA-Berufsbild: vdek und DGPA fordern strukturelle Integration in die ambulante Versorgung

Ein gemeinsames Forderungspapier von dem Verband der Ersatzkassen und Deutscher Gesellschaft für Physician Assistants setzt ein deutliches Signal und könnte den Weg für PAs in der Vertragsarztpraxis ebnen.

Das Berufsbild des Physician Assistant gewinnt in Deutschland zunehmend politischen Rückenwind. Mit einem gemeinsamen Forderungspapier haben der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die Deutsche Gesellschaft für Physician Assistants e.V. nun ein klares Signal gesendet: PAs sollen fest in die vertragsärztliche Versorgung integriert werden – mit verbindlichen Rahmenbedingungen zu Qualifikation, Fortbildung und Vergütung.

Was ist der vdek?

Der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) ist die Interessenvertretung von sechs großen gesetzlichen Krankenkassen: BARMER, DAK-Gesundheit, KKH Kaufmännische Krankenkasse, HEK – Hanseatische Krankenkasse, hkk und die Techniker Krankenkasse (TK). Zusammen versichern diese Kassen rund 28 Millionen Menschen in Deutschland und zählen damit zu den einflussreichsten Akteuren im deutschen Gesundheitssystem. Als Vertragspartner der Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäuser und weiterer Leistungserbringer gestaltet der vdek aktiv die Versorgungsstrukturen mit.

Keine neue Bekanntschaft: vdek und das PA-Berufsbild

Das Engagement des vdek für Physician Assistants ist keine spontane Reaktion, sondern das Ergebnis einer mehrjährigen, aktiven Auseinandersetzung mit dem Berufsbild. Bereits in den vergangenen Jahren hat der vdek in verschiedenen Pilotprojekten mit seinen Regionalen Gesundheitspartnern den Einsatz von PAs – insbesondere im hausärztlichen Bereich – erprobt. Diese Projekte belegen, dass Ärzte, Patientinnen und Patienten sowie die PAs selbst gleichermaßen von diesem delegativen Versorgungsmodell profitieren. Begleitet wurde dies durch Symposien und Fachbeiträge, in denen der Verband das Potenzial der PA-Profession immer wieder öffentlich herausgestellt hat. Das aktuelle Forderungspapier ist der bislang deutlichste und weitreichendste Schritt dieser Entwicklung.

Die fünf zentralen Forderungen

vdek und DGPA bündeln ihre Erwartungen an die Politik und Selbstverwaltung in fünf Kernbereichen:

  • Integration in die Vertragsarztpraxis
  • Einheitliche Studiengrundsätze
  • Verpflichtende Fortbildung
  • Klare Aufgabendefinition im BMV-Ä
  • Sachgerechte Vergütungsregeln

Integration als feste Säule der ambulanten Versorgung

Kernforderung des Papiers ist die strukturelle Verankerung des PA-Berufsbilds in der vertragsärztlichen Versorgung. PAs sollen delegierbare Tätigkeiten – von der Anamneseerhebung über Infektsprechstunden bis hin zu Hausbesuchen und diagnostischen Leistungen – weitgehend eigenständig übernehmen können. In unterversorgten Regionen soll es PAs sogar möglich sein, eine Zweigpraxis eigenverantwortlich zu betreuen, während die Gesamtverantwortung bei der ärztlichen Leitung verbleibt.

Rechtliche Grundlage dafür soll eine Erweiterung des Tätigkeitskatalogs im Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) sein – differenziert nach Qualifikationsprofil und mit möglichst konkreten Leistungsbeschreibungen, um Haftungsrisiken für alle Beteiligten zu minimieren.

Einheitliche Ausbildung und mehr Verbindlichkeit

Die Ausbildungslandschaft für PAs ist in Deutschland nach wie vor heterogen. Zugangsvoraussetzungen, Studieninhalte und Prüfungsanforderungen variieren zwischen den 25 Hochschulen. Das Papier fordert daher bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen, einen verpflichtenden Praxisanteil in der ambulanten Versorgung sowie ein obligatorisches Modul Allgemeinmedizin – als Fundament für das Vertrauen bei Ärzten und Patienten gleichermaßen.

Warum das Signal der Kostenträger so wichtig ist

Die gesundheitspolitische Bedeutung dieses Papiers liegt nicht allein in seinem Inhalt, sondern vor allem in seiner Autorenschaft. Wenn Kostenträger von der Reichweite des vdek gemeinsam mit der Berufsgesellschaft konkrete strukturpolitische Forderungen formulieren, schafft das eine Dynamik, die über reine Absichtserklärungen hinausgeht. Es signalisiert den Kassenärztlichen Vereinigungen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss und dem Gesetzgeber: Das PA-Berufsbild ist versorgungspolitisch reif und finanzierbar gedacht.

Für die PA-Community ist das ein wichtiger Moment. Das Berufsbild wird nicht länger nur von Hochschulen und der eigenen Fachgesellschaft vertreten, sondern von Akteuren, die tatsächlich Verträge schließen und Versorgungsstrukturen finanzieren.

Fortbildungspflicht: Qualitätssicherung als Berufsethos

Ein weiterer zentraler Punkt des Papiers betrifft die kontinuierliche Fortbildung. Da PAs delegierbare ärztliche Tätigkeiten übernehmen, müssen ihre medizinischen Kenntnisse stets dem aktuellen Wissensstand entsprechen. vdek und DGPA fordern daher, dass ärztliche Fortbildungsangebote für PAs geöffnet und zusätzlich spezifische, bundesweit einheitliche CME-Formate für das Berufsbild geschaffen werden – inklusive einer gesetzlichen Fortbildungspflicht analog zu der für Vertragsärzte.

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