Bundesgesundheitsministerin besucht PA Praxis in Baiersbronn

Nina Warken Physician Assistant

Wie kann medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig gesichert werden? Mit dieser Frage setzte sich Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bei ihrem Besuch in der Hausarztpraxis am Spritzenhaus in Baiersbronn auseinander. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Katrin Schindele informierte sich die Bundesgesundheitsministerin über moderne Versorgungsstrukturen, bei denen insbesondere der Einsatz von Physician Assistants eine zentrale Rolle spielt. Organisiert wurde der Termin unter anderem durch Prof. Wolfgang von Meißner, CDU-Kreisrat, Praxisinhaber und Professor für Physician Assistance an der CBS.

Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Frage, wie ärztliche Ressourcen sinnvoll ergänzt und langfristig gesichert werden können. Das Baiersbronner Modell zeigt, dass Physician Assistants hierbei nicht als unterstützende Randfigur, sondern als integraler Bestandteil der Versorgung agieren. Durch ihre akademische Ausbildung und klare Aufgabenprofile tragen sie wesentlich dazu bei, medizinische Prozesse effizient und qualitätsgesichert zu gestalten.

Interprofessionelle Versorgung mit klaren Rollen

Leitgedanke der Praxis ist es, Patientinnen und Patienten zur richtigen Zeit am richtigen Ort beim richtigen Behandler zu versorgen. Dieses Prinzip setzt eine enge Verzahnung medizinischer, organisatorischer und digitaler Prozesse voraus. Die Praxis am Spritzenhaus ist als HÄPPI-Praxis organisiert und verfolgt das Ziel, Primärversorgung interprofessionell, koordiniert und patientenzentriert umzusetzen.

In diesem Modell arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Medizinische Fachangestellte, Pflegekräfte und Physician Assistants in klar definierten Rollen zusammen. Gerade die Integration von PAs ermöglicht es, ärztliche Arbeitszeit gezielt für komplexe diagnostische und therapeutische Entscheidungen einzusetzen, während delegierbare Tätigkeiten qualitätsgesichert übernommen werden. Für viele Patientinnen und Patienten werden die PAs dabei zu festen Ansprechpartnern im Behandlungsprozess.

Einblicke in den Arbeitsalltag der Physician Assistants

Während ihres Rundgangs durch die Praxis verschaffte sich Warken einen Eindruck vom konkreten Einsatz der Physician Assistants im Versorgungsalltag. Diese übernehmen in Baiersbronn unter anderem strukturierte Anamnesen, Verlaufskontrollen, die Vorbereitung ärztlicher Entscheidungen, Dokumentation sowie koordinierende Aufgaben zwischen den verschiedenen Berufsgruppen.

Prof. Wolfgang von Meißner betonte in diesem Zusammenhang, dass die PAs einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Behandlungsqualität leisten. Durch die Übernahme delegierbarer ärztlicher Leistungen entstünden Freiräume für die ärztliche Tätigkeit, ohne dass Abstriche bei der Versorgung gemacht werden müssten. Vielmehr werde durch die zusätzliche akademische Qualifikation der PAs die medizinische Betreuung häufig sogar vertieft.

Digitalisierung als Unterstützung der PA-Rolle

Ein weiterer Schwerpunkt des Baiersbronner Modells liegt in der konsequenten Nutzung digitaler Instrumente. KI-gestützte Assistenzsysteme beim Erstkontakt, digitale Patientenakten und Patienten-Apps sowie strukturierte Dokumentationslösungen prägen den Praxisalltag.

Diese digitalen Werkzeuge unterstützen insbesondere die Arbeit der Physician Assistants. Sie ermöglichen eine standardisierte Erfassung medizinischer Daten, eine transparente Kommunikation im Team und eine bessere Nachvollziehbarkeit von Behandlungsprozessen. Die Verbindung von digitaler Infrastruktur und qualifiziertem Assistenzpersonal schafft damit die Grundlage für effiziente, sichere und kontinuierliche Versorgung.

Fachlicher Austausch mit Akteuren des Gesundheitswesens

Im Anschluss an die Praxisbesichtigung fand eine Impuls-Session mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Selbstverwaltung und Gesundheitswirtschaft statt. Fachliche Beiträge kamen unter anderem vom Hausärzteverband, der Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung. Auch Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, beteiligte sich an der Diskussion.

Ein zentrales Thema war dabei die strukturelle Weiterentwicklung der Primärversorgung und die Frage, wie neue Berufsrollen wie die der Physician Assistants langfristig abgesichert und systematisch in Versorgungsmodelle integriert werden können. Die Erfahrungen aus Baiersbronn wurden von vielen Teilnehmenden als praxisnahes Beispiel für gelungene Umsetzung bewertet.

Wissenschaftliche Bestätigung durch aktuelle Studien

Zusätzliche Einordnung lieferte die Bertelsmann Stiftung, die derzeit eine Studie zum Einsatz von Physician Assistants und zur Delegation ärztlicher Leistungen erarbeitet. Erste Ergebnisse zeigen, dass der strukturierte Einsatz von PAs sowohl die Effizienz von Praxen als auch die Stabilität der Versorgung verbessert.

Insbesondere in Regionen mit begrenzten ärztlichen Ressourcen tragen Physician Assistants demnach dazu bei, Versorgungslücken zu schließen, Behandlungsprozesse zu koordinieren und die Kontinuität der Betreuung sicherzustellen. Die wissenschaftlichen Befunde untermauern damit die praktischen Erfahrungen aus Baiersbronn.

Politische Anerkennung für neue Versorgungsmodelle

Warken zeigte sich nach dem Austausch beeindruckt vom ganzheitlichen Ansatz der Praxis. „Was hier stattfindet, wollen wir in Berlin aktuell in ein Gesetz gießen“, erklärte sie. Dabei verwies sie zugleich auf die Herausforderung, unterschiedliche Interessen und Perspektiven der beteiligten Akteure miteinander zu verbinden. Der Einsatz von Physician Assistants wurde von ihr als sinnvoller Bestandteil moderner Primärversorgung wahrgenommen. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass klare rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich seien, um solche Modelle bundesweit zu etablieren und Planungssicherheit für Praxen und Mitarbeitende zu schaffen.

Der Besuch in der Praxis am Spritzenhaus verdeutlicht, welche Bedeutung Physician Assistants für die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung haben. Sie übernehmen Verantwortung, sichern Qualität und tragen wesentlich zur Entlastung der Ärzteschaft bei. In Verbindung mit digitaler Infrastruktur und interprofessioneller Zusammenarbeit werden sie zu einer tragenden Säule moderner Primärversorgung.

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