Was macht ein Physician Assistant in der Orthopädie?

Was macht ein Physician Assistant in der Orthopädie?

In diesem Interview berichtet Anja von ihrem Weg in die Orthopädie und ihrer Tätigkeit als Physician Assistant in der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie sowie auf der orthopädischen Station.

Nach ihrer Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten entschied sie sich, den nächsten Schritt zu gehen und berufsbegleitend das PA-Studium an der Carl Remigius Medical School in Frankfurt zu absolvieren. Bereits während des Studiums arbeitete sie eng mit ihrer Chefärztin zusammen, unterstützte beim Aufbau der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und übernahm zunehmend Aufgaben, die über ihre ursprüngliche Tätigkeit hinausgingen.

Heute ist Anja nicht nur auf Station und im OP tätig, sondern bringt ihr breites medizinisches Wissen auch in der Notaufnahme und in verschiedenen Fachbereichen des Hauses ein. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, den PA nicht nur als OP-Assistenz verstanden zu wissen, sondern als feste Konstante in der Patientenversorgung auf Station und in interdisziplinären Teams.

Im Gespräch schildert sie, wie sie sich auf ihre Rolle vorbereitet hat, welche Aufgaben ihren Alltag prägen, welche Fähigkeiten für die Arbeit als PA in der Orthopädie entscheidend sind – und warum sie mit ihrem Masterstudium in Medizinpädagogik künftig selbst zur Ausbildung der nächsten PA-Generation beitragen möchte.

Warum hast du dich für das Studium zur Physician Assistant entschieden?

Ich wollte nach meiner Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten meinen Horizont in der Medizin erweitern und mehr Verantwortung und Aufgaben übernehmen. Da für mich das Medizin Studium nicht mehr in Frage kam, war mir klar, dass ich den PA berufsbegleitend studieren möchte.

An welcher Hochschule hast du studiert und warst du zufrieden mit dem Studium?

Ich habe an der Carl Remigius Medical School in Frankfurt berufsbegleitend studiert und war vom Inhalt und dem Aufbau des Studiums zufrieden. Organisatorisch gäbe es Verbesserungspotenzial.

Fühltest du dich gut vorbereitet auf deine jetzige Tätigkeit? 

Aufgrund dessen, dass ich eine 1 zu 1 Betreuung mit meiner Chefärztin hatte, ja. Bezogen auf das Studium eher nicht, da dieses sehr breit gefächert war und das Studium sich eher auf die innere Medizin beschränkt hat.

Ich habe berufsbegleitend (2021-2024) für die Fuß-und Sprunggelenkchirurgie gearbeitet und ab Sommer 2024 wurde ich auf der orthopädischen Station + im OP eingesetzt.

Ich hätte mir gewünscht, dass das Studium einem besser auf das Arbeiten im OP vorbereitet, z.B.: steriles Anziehen, Üben mit verschiedenen Instrumenten, mehr Kurse im Nähen, praktische Übungen auch in Bezug auf: Gipsen, Anlegen von verschiedenem Hilfsmittel (z.B. Schulterschlinge), Desweiteren: OSCE-Prüfungen, Simulations-Trainings, mehr Praxis als Theorie. Ein Präparations-Kurs an Leichen wie im Medizinstudium wäre auch großartig gewesen.

Wie kamst du zu deiner aktuellen Stelle als Physician Assistant in der Orthopädie?

Ich habe 2019 zusammen mit meiner Chefärztin die Fuß-und Sprunggelenkchirurgie aufgebaut und war hier als Chefarztsekretärin tätig. 2 Jahre später habe ich dann das Studium berufsbegleitend angefangen und war eine Mischung aus MFA/ PA-Student. Nach Abschluss 2024 wollte die Geschäftsführung, dass ich mich den Assistenzärzten anschließe und somit auf die orthopädische Station um in den OP gehe.

Wie sieht dein normaler Arbeitsalltag als Physician Assistant in der Orthopädie aus?

Arbeitszeiten: Montag-Mittwoch: 7:30-15:30, Donnerstag: 7:30-16:00, Freitag: frei wegen meinem Masterstudiengang in Medizinpädagogik.

Meine täglichen Aufgaben auf Station

  • Visiten durchführen (alleine) & auch in Begleitung des Arztes
  • Verbände wechseln, Fäden/Klammer ziehen, Drainagen ziehen
  • Blut abnehmen, Zugänge legen, ZVKs ziehen, Wundabstriche
  • Röntgen anmelden
  • Medikamente anordnen, ändern & absetzen
  • Patienten aufnehmen: Anamnese, körperliche Untersuchung, Medikamente abgleichen, Allergien aufnehmen, OP-Gebiet untersuchen und ankreuzen
  • Zusammen mit einem Arzt die postoperativen Röntgenbilder anschauen
  • EKGS und Labore befunden (bei Unsicherheiten immer Rücksprache mit einem Arzt!)
  • Arztbriefe schreiben, Befunde anfordern, Angehörigen Gespräche führen

Desweiteren helfe ich auch auf den anderen Stationen aus

  • Onkologische Station: Ports anstechen, Chemos geben (hier lange Einarbeitung)
  • Allgemein & Innere Station: Sonos durchführen (Fokus auf die urologischen Patienten: Harnblase, Nieren, Prostata)
  • Notaufnahme (Patienten aufnehmen, Assistenz bei körp. Untersuchungen)

Aufgaben im OP

  • Patienten lagern
  • 1 & 2. Assistenz
  • Je nach Arzt darf ich: Haken halten, Bohren, Sägen, Nähen, Knoten, Injektion von Lokalanästhesie Materialentfernungen eigenständig ausführen (der Arzt steht nur daneben)
  • Anlegen von Hilfsmitteln: Spezielle Schuhe (Vacoped), Schulterschlingen etc.
  • Auslagern & Ausschleußen des Patienten

Besonders Spaß machen mir die Tätigkeiten auf den Stationen & in der Notaufnahme. Hier werde ich vor allem kognitiv gefördert und sehe viele unterschiedliche Krankheitsbilder. Ich mag die Arbeit an Patienten und das Untersuchen der Patienten. Die Arbeit im OP wäre mir zu eintönig und körperlich auf Dauer zu anstrengend. Hier gebe ich den Ärzten immer den Vortritt, da diese für die Facharztprüfung die Erfahrungen im OP brauchen.

Konntest du die praktischen Fähigkeiten bereits vor Antritt der Stelle oder wurden sie dir beigebracht?

Die meisten Aufgaben wurden mir während des Studiums im Rahmen auf der Arbeit oder im Praktikum beigebracht (vor allem praktische Aufgaben).

Ich möchte gerne eine OP planen können (z.B. Hüft oder Knie-TEPs werden vom Operateur geplant). Ich möchte meine Fähigkeiten in der Inneren Medizin ausweiten z.B. Ultraschall, EKGs auswerten, Labordiagnostik und auch mein Wissen in Medikamenten/Wechselwirkungen ausbauen.

Gibt es Aufgaben die du außerhalb deiner Routinetätigkeiten erledigst?

Zur Zeit nicht allerdings soll ich nach Abschluss meines Masters in Medizinpädagogik, Lehrkraft an einer Pflegeschule werden. Ich kann mir auch gut vorstellen PAs auszubilden (an der Hochschule) und parallel weiter als PA zu arbeiten.

Welche Qualifikationen sind deiner Meinung nach wichtig für einen Physician Assistant? 

  • Interesse an der Medizin 
  • Freude an der Arbeit mit Menschen
  • Teamfähigkeit
  • Belastbarkeit & Verantwortungsbewusstsein
  • Eigeninitiative und Lernbereitschaft 
  • Vorausbildung wäre ein Vorteil aber kein MUSS

Wie kam das Berufsbild bei anderen Berufsgruppen an?

Die Assistenzärzte an meiner Klinik haben sich alle gefreut, dass ich Teil deren Teams werden wollte und das ich merklich viele Aufgaben übernehmen kann und somit das Team entlaste. Die Ärzte geben mir viel Verantwortung ab.

Die Pflege kannte dieses Berufsbild nicht waren aber offen und neugierig. Sie arbeiten mir sowie ich der Pflege zu. Die Pflege ist zudem auch ein wichtiger Ansprechpartner geworden.

Meine Chefärztin befürwortet den PA und hat mich auch im Studium unterstützt

Die Belegärzte sind gemischter Meinung, viele Missbrauchen den PA als ‚CTA‘ bzw. sehen den Sinn des PAs nur in der OP-Assistenz. Hier bin dahinter, dass ich als einzige PA, die auch auf den Stationen ist, dieses Bild zu ändern. Soweit gab es positive Rückmeldung bzgl. Meiner Arbeit auf Station.

Strebst du einen Masterstudiengang an?

Ja, ich befinde mich gerade im 1. Semester des Medizinpädagogik Masters. Wieso ich nicht den PA-Master gewählt habe, ist, dass es mir lange klar war, dass ich diesen Beruf fördern möchte, indem ich die nächsten PAs ausbilden will. Ich hatte schon immer Freude daran Menschen etwas beizubringen.

Hast du eine Zukunftsvision für das Berufsbild? 

Mein Wunsch ist es, dass der PA eine Profession wird, dass wir in 10 Jahren eine Gesetzesregelung bekommen und wir als fester Bestandteil im Gesundheitswesen werden, dass das Berufsbild in der Allgemeinbevölkerung angekommen ist, dass wir Sorgen und Kritik beseitigen können, dass es mehr Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote geben wird, ggf. auch eine Art Credits/CME-Punkte/Zertifikate, dass wir einen bundeseinheitlichen Rahmenlehrplan bekommen, damit alle PAs auf demselben Niveau sind, und dass weitere Masterstudiengänge angeboten werden.

Welche Empfehlung kannst du PA-Studierenden geben?

Der PA ist immer noch unbekannt bei den Ärzten, Pflege und vor allem bei den Patienten. Ihr werdet viele Kritiker begegnen, die dieses Berufsbild als unnötig erachten. Aus diesem Grund gebt denen nicht nach. Als PA kann ich sagen, dass alle positiv überrascht sind und ich im ganzen Haus gebraucht werde. 

Seid euch euren Grenzen bewusst! Wir sind keine Ärzte! Aus diesem Grund grenzt das bitte klar ab! Aber wir sind auch nicht die Arbeitskraft für Arbeit, auf die die Ärzte keine Lust haben (z.B. nur Blut abnehmen und Zugänge legen)

Haltet euch an einen Arzt/Ärztin, die bereit sind euch vieles beizubringen. Habt Spaß! Haltet zusammen und unterstützt euch gegenseitig!

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