In diesem Interview gibt uns Lara aus der Gastroenterologie Einblicke in ihren Berufsalltag am Klinikum, wo sie seit rund eineinhalb Jahren tätig ist.
Ihr Weg ins Berufsleben begann früh: Bereits während der Schulzeit engagierte sie sich als Schulsanitäterin, absolvierte nach dem Abitur einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus und war ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz aktiv. Über einen Studieninformationstag entdeckte sie schließlich das damals noch neue Studienfach „Physician Assistant“ und entschied sich für ein Studium an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Weiden.
Heute ist sie die erste PA in der Inneren Medizin ihres Hauses – eine Pilotstelle, die nach einem erfolgreichen Praktikum in ihrer jetzigen Abteilung geschaffen wurde. In ihrem Arbeitsalltag kombiniert sie Tätigkeiten auf Station mit Einsätzen in der Funktionsdiagnostik und Endoskopie: von Patientenaufnahmen, Visiten und Arztbriefen über Punktionen und Sonographien bis hin zur Mitwirkung in Tumorkonferenzen.
Im Gespräch berichtet sie, wie sie sich auf ihre Rolle vorbereitet hat, welche praktischen Fähigkeiten sie im Laufe der Zeit erlernt hat, welche Kompetenzen sie für besonders wichtig hält und wie sie dazu beiträgt, das Berufsbild in ihrer Klinik zu etablieren. Außerdem spricht sie über ihre Pläne, mit einem Masterstudium im Bereich Healthcare Management neue Perspektiven zu eröffnen.
Warum hast du dich für das Studium zur Physician Assistant entschieden?
Bereits während meiner Schulzeit entwickelte ich Interesse für die Medizin, weshalb ich die Ausbildung zur Schulsanitäterin abgeschlossen habe. Nach dem Abitur habe ich einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus absolviert und mich nebenbei, nach einer Ausbildung zum Sanitäter, ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz engagiert. Auf einem Studieninformationstag hörte ich dann zum ersten Mal etwas von dem Studiengang „Physician Assistant“, welcher nun auch an staatlichen Hochschulen angeboten wurde. Schlussendlich hat mich das Konzept des Berufsbildes und die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten angesprochen.
An welcher Hochschule hast du studiert und warst du zufrieden mit dem Studium?
Ich habe an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Weiden studiert. Da ich als erster Jahrgang studiert habe, gab es natürlich noch viel Verbesserungspotential. Es wurde aber versucht das Beste aus der Covid-Pandemie rauszuholen und sich, soweit es eben ging, um praktische Kurse gekümmert.
Da ich relativ früh wusste, dass es die Innere Medizin werden soll, war meine Eigeninitiative groß. Insgesamt habe ich mich gut auf meine jetzigen Tätigkeiten in der Gastroenterologie, in welcher ich vor knapp 1,5 Jahren angefangen habe, vorbereitet gefühlt. Eine große Rolle haben hierfür jedoch auch die Praxiseinsätze in der Partnerklinik gespielt. Im Verlauf besucht man natürlich fachspezifische Fortbildungen, welche dann ebenfalls helfen.
Wie kamst du zu deiner aktuellen Stelle?
Während meines Studiums habe ich in meiner jetzigen Abteilung bereits ein Praktikum absolviert, welches mir so gut gefallen hatte, dass ich einen Teil meines Praxissemesters und ein Vertiefungsmodul der Gastroenterologie widmete. Eine Oberärztin fand das Konzept gut und imitierte eine mögliche PA-Stelle. Nach dem Vertiefungsmodul hatte ich eine mündliche Prüfung bei dem Chefarzt, welcher sich dann für meine Stelle eingesetzt hatte. Da ich die erste PA in der Inneren Medizin bin und es in meiner Klinik noch keinen extra Stellenplan für PAs gibt, wurde eine Pilotstelle geschaffen.
Wie sieht dein normaler Arbeitsalltag aus?
Mein Arbeitstag beginnt meist gegen 7:30/8:00 Uhr und endet um 16:30 Uhr. Ich arbeite von Montag bis Freitag und bin nicht am Schichtdienst beteiligt.
Ich nehme zuerst die elektiv geplanten Patienten auf, sprich Anamnese, körperliche Untersuchung, Erfassung des Medikamentenplans, Anmeldung der jeweiligen Untersuchung und zum Schluss erfolgt die Informationsweitergabe an das Pflegepersonal sowie den zuständigen Stationsarzt/in.
Danach findet vormittags die ärztliche Visite statt, welche ich dokumentiere und ggf. noch dazugekommene Anmeldungen für weitere Diagnostik/Konsile etc. eingebe. Wenn neues ärztliches Personal auf der Station anfängt, dann unterstütze ich zu Beginn die Einarbeitung.
Nachmittags schreibe ich Arztbriefe vor, melde Patientin/innen zur Tumorkonferenz an, führe Angehörigengespräche, lege bei Bedarf VVKs oder nehme Blutkulturen ab, befunde EKGs, kümmere mich um die Komplementierung der Vorbefunde und/oder stehe im engen Kontakt mit unserem Sozialdienst, um die weitere häusliche Versorgung/Reha etc. zu organisieren.
Neben der Stationsarbeit wirke ich auch in der Funktionsdiagnostik und Endoskopie mit. Ich führe Aszites- und Pleurapunktionen, Elastographien, Manometrien, 24h-pH-Metrien und H2-Atemtests durch. Die orientierende Sonographie des Abdomens macht mir ebenfalls viel Spaß. Alle meine Tätigkeiten erledige ich im engen Austausch mit dem/der zuständigen Oberarzt/in oder dem/der Assistenzarzt/in.
Konntest du die praktischen Fähigkeiten bereits vor Antritt der Stelle oder wurden sie dir beigebracht?
Die Basics wie Blutentnahmen, VVK Anlage, aber auch Aszitespunktionen konnte ich bereits vor dem Antritt meiner Stelle erlernen, da ich bereits – wie oben bereits erwähnt – früh wusste, dass ich die Innere Medizin sehr interessant finde und während den Praxisphasen viele Möglichkeiten unter ärztlicher Anleitung hatte. Meine jetzige Station kannte ich ja schon durch die praktischen Einsätze, weshalb ich die organisatorischen und administrativen Aufgaben bereits zu Beginn gut umsetzten konnte.
Vor allem mein Mitwirken in der Funktionsdiagnostik und Endoskopie habe ich nach und nach erlernt, viel Wissen wurde mir durch eine meiner tollen Oberärztinnen vermittelt, einen Teil habe ich mir nach Feierabend selbst angelesen und natürlich Fortbildungen, vor allem im Bereich der Sonographie und EKG besucht.
Im Verlauf bin ich durch viel „Learning by doing“ viel sicherer im Umgang mit der EKG Befundung, Abdomen Sonographie, Manometrie, Sondenanlage der pH-Metrie etc. geworden.
In Zukunft möchte ich mich noch mehr vernetzten und mein Wissen vertiefen, ein Schritt war auch die Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und die Teilnahme an der JUGA Winter School. Außerdem möchte ich bald einen Abdomen Sonographie Vertiefungskurs besuchen.
Gibt es Aufgaben die du außerhalb deiner Routinetätigkeiten erledigst?
Aktuell implementiere ich, zusammen mit meiner früheren studentischen Koordinatorin für PAs, im Klinikum PA Fortbildungen, angepasst an das jeweilige Semester in welchem sich die Studenten/innen befinden. Hierbei gebe ich und andere PAs der Klinik unser Wissen weiter.
Wenn neues ärztliches Personal auf der gastroenterologischen Station anfängt, dann unterstütze ich zu Beginn die Einarbeitung und bringe die Stationsabläufe näher.
Welche Qualifikationen sind deiner Meinung nach wichtig für einen Physician Assistant?
Das Wichtigste ist meiner Meinung nach Kommunikationsfähigkeit. Während des Alltags im Klinikum kommen viele Informationen zusammen, da ist es sehr wichtig, dass man eine gute inter- und intraprofessionelle Kommunikation pflegt.
Eigeninitiative – Man sollte sich Gedanken machen, welche Aufgaben und Tätigkeiten man gerne aktuell und in Zukunft übernehmen möchte und dies aktiv ansprechen. Ich hatte damals die Möglichkeit meinen Tätigkeitskatalog aktiv mitzugestalten und kann das nur weiterempfehlen.
Empathie gegenüber den Patienten/innen und Angehörigen/innen. Alle sollten sich gut informiert und betreut fühlen.
Ein PA sollte sein Können und Wissen adäquat einschätzen können. Es ist wichtig seine Grenzen klar zu benennen und nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht. Keiner erwartet, dass man zu Beginn alles weiß. Lieber einmal zu viel um erneute Anleitung/Demonstration bitten oder Fragen stellen.
Des Weiteren benötigt man viel Motivation, um sich stetig neues Wissen anzueignen und sich später fachspezifisch weiterzuentwickeln.
Wie kam das Berufsbild bei anderen Berufsgruppen an?
Im Großen und Ganzen positiv. Als ich mit dem Studium begonnen habe, waren wir eine der Ersten PA Studenten/innen in der Klinik. Bedeutet, zu Beginn musste man schon häufiger erklären für was das Ganze gut sein soll und auch häufig unschöne Kommentare einstecken (Hat es fürs Medizinstudium nicht gereicht? Bist du dann eine verbesserte MFA? Sie sind also ein schlecht bezahlter Arzt/in? Etc.). Wenn man sich jedoch einmal durch Wissen und Übernahme von delegierbaren Aufgaben bewiesen hatte, war man fast nicht mehr wegzudenken. Zum Ende jedes Praktikums gab es positives Feedback.
Das Problem war, denke ich, dass man keine richtige Schublade für uns gefunden hatte. Ein häufiges Argument ist ja auch, dass man Ärzten/innen oder Medizinstudenten/innen die Aufgaben wegnimmt. Auf allen Stationen auf denen ich einen Einblick bekommen hatte, gab es viel zu viele Aufgaben für zu wenig Personal und teils schlechte Einarbeitung aufgrund des Zeitmangels.
Mittlerweile ist das Berufsbild in meiner Klinik gut implementiert. Neues ärztliches Personal oder auch Studenten/innen sind dankbar, wenn jemand da ist, der eine Konstante auf der Station ist und die Zeit hat, die ein oder andere Sache anzuleiten/zu erklären etc.
Strebst du einen Masterstudiengang an?
Ja, ich strebe an zeitnah mit einem Masterstudiengang im Bereich Healthcare Management zu beginnen, um mich breiter aufzustellen und irgendwann Aufgaben im Bereich Leitung und Personalführung übernehmen zu können.
Hast du eine Zukunftsvision für das Berufsbild?
Ich denke, dass das Berufsbild nicht mehr aus unserem Gesundheitswesen wegzudenken ist. Da das Berufsbild in Deutschland noch jung ist, wird sich in den nächsten Jahren bestimmt viel am rechtlichen Rahmen und den Einsatzmöglichkeiten, vor allem auch im ambulanten Sektor, ändern.
Ich wünsche mir, dass sich vor allem die Hochschulpolitik zum Besseren entwickelt und man ein einheitliches Curriculum einführt, um so den Ausbildungsstand (nach dem Studium) aller PAs auf ein einheitliches Level zu heben. Ich hoffe, dass das Berufsbild in Zukunft auch von der Gesundheitspolitik mehr einbezogen wird und Kliniken einen extra Stellenplan für PAs aufbauen.
Welche Empfehlung kannst du PA-Studierenden geben?
Bleibt motiviert, stellt Fragen, seid interessiert. Zeigt Eigeninitiative, sprecht an, was eure Ziele für das jeweilige Praktikum sind und klärt frühzeitig ab, was davon im klinischen Rahmen realistisch umzusetzen ist.
Wenn ihr wisst, welche Fachrichtung euch zusagt, hospitiert frühzeitig und besucht Fortbildungen in diesem Bereich. Wenn euch unschöne Kommentare begegnen, klärt sachlich über das Berufsbild Physician Assistant auf und steht für euch ein.