Neue PA-Immatrikulationszahlen: Wachstum verlangsamt sich – Hochschulmarkt in Phase der Neuorientierung

Physician Assistant Zahlen Erstsemester

Die neuesten Zahlen zur Entwicklung der Physician-Assistant-Studiengänge in Deutschland sind durch den Deutschen Hochschulverband Physician Assistant veröffentlicht worden und zeigen ein differenziertes Bild. Während die Gesamtzahl der Studierenden weiter steigt und immer mehr Absolvent:innen in den Beruf starten, gehen die Immatrikulationszahlen erstmals seit Jahren leicht zurück. Gleichzeitig bringen strukturelle Veränderungen, neue Studienangebote und regulatorische Diskussionen Bewegung in die Hochschullandschaft.

Erstmals seit Jahren: weniger neue Immatrikulationen

Zum Wintersemester 2025 wurden bundesweit 1.928 Studierende neu in Bachelorstudiengänge Physician Assistant immatrikuliert. Im Jahr zuvor waren es noch 2.231, ein Rückgang um rund 14 Prozent. Trotzdem wächst der Beruf insgesamt weiter: Mit nun 5.482 eingeschriebenen Studierenden wurde ein neuer Höchststand erreicht. Auch die Zahl der Absolvent:innen steigt kontinuierlich und liegt mittlerweile bei insgesamt 3.087 Bachelor-Absolvierenden in Deutschland.

IU-Situation sorgt für spürbare Auswirkungen

Ein wesentlicher Faktor für den aktuellen Rückgang ist die Situation rund um den Fernstudiengang der IU Hochschule. Diese hatte in den vergangenen Jahren maßgeblich zum starken Wachstum beigetragen. Seit Veröffentlichung des Positionspapiers der Bundesärztekammer im April 2025 wurden dort jedoch vorerst keine neuen Studierenden mehr immatrikuliert. Aktuell ist eine Immatrikulation weiterhin nicht möglich. Wie es mit dem Studiengang konkret weitergeht, bleibt unklar.

Hinzu kommt, dass die im Positionspapier formulierten Anforderungen zwar wichtige Qualitätsmaßstäbe setzen, in der konkreten operativen Umsetzung jedoch teilweise wenig detailliert sind. Für Hochschulen bedeutet dies aktuell einen erhöhten Abstimmungs- und Anpassungsbedarf.

Gleichzeitig entstehen neue Studienmöglichkeiten und Standorte

Trotz dieser Entwicklungen wächst das Studienangebot insgesamt weiter. Mehrere private Hochschulen haben neue Standorte eröffnet oder bestehende Programme auf zusätzliche Städte ausgeweitet. Damit verbessert sich die regionale Verfügbarkeit des PA-Studiums weiter. Die Nachfrage nach dem Physician-Assistant-Studium bleibt hoch, und Hochschulen investieren weiterhin gezielt in den Ausbau ihrer Programme.

Masterstudium bleibt Ergänzung – Bachelor bleibt Standard

Im Masterbereich zeigt sich insgesamt eine stabile Entwicklung. Aktuell sind 161 Studierende in Masterstudiengänge eingeschrieben, bei 84 neuen Immatrikulationen im Jahr 2025. Insgesamt haben bislang 89 Physician Assistants einen Masterabschluss erworben, davon allein 67 im Jahr 2025.

Trotz dieser Entwicklung bleibt der Bachelorabschluss weiterhin die zentrale Qualifikation für die klinische Tätigkeit. Masterprogramme spielen aktuell vor allem für Spezialisierung, Wissenschaft oder Management eine Rolle. Aktuell pausiert die CBS International Business School derzeit ihren Masterstudiengang Physician Assistant. Wie lange diese Pause andauern wird, ist aktuell offen. Gleichzeitig baut die SRH Hochschule ihren bereits erfolgreichen Studiengang mit fachlicher Schwerpunktsetzung um neue Fachbereiche weiter aus.

Momentaufnahme statt Trendwende

Bei der Interpretation der aktuellen Zahlen ist eine differenzierte Betrachtung entscheidend. Die Entwicklung der Immatrikulationszahlen ist aktuell stark durch die Situation an einer einzelnen Hochschule beeinflusst und daher nur begrenzt aussagekräftig für die gesamtheitliche Entwicklung des Physician-Assistant-Studiums in Deutschland. Der temporäre Rückgang ist insbesondere vor dem Hintergrund zu sehen, dass in den vergangenen Jahren ein erheblicher Anteil des Wachstums auf einzelne Studienangebote entfiel.

Ein weiterer struktureller Faktor, der bei der Interpretation der aktuellen Immatrikulationszahlen berücksichtigt werden muss, ist die Umstellung vom achtjährigen auf das neunjährige Gymnasium (G8 auf G9) in mehreren Bundesländern. Durch diese Reform kam es in einzelnen Bundesländern temporär zu sogenannten „Nulljahrgängen“, in denen deutlich weniger oder teilweise gar keine Abiturient:innen die Schulen verlassen haben. Da ein Teil der Studieninteressierten Physician Assistant das Studium direkt nach dem Abitur beginnt, wirkt sich diese demografische Verschiebung zeitverzögert auch auf die Studierendenzahlen aus. Dieser Effekt betrifft nicht nur Physician-Assistant-Studiengänge, sondern den Hochschulmarkt insgesamt und stellt einen temporären Einflussfaktor dar, der sich in den kommenden Jahren voraussichtlich wieder ausgleichen wird.

Gleichzeitig sprechen mehrere strukturelle Entwicklungen für eine weiterhin positive langfristige Entwicklung: Die Zahl der Hochschulstandorte nimmt weiter zu, neue Hochschulen starten Physician-Assistant-Studiengänge, und die Bekanntheit des Berufs steigt sowohl bei Studieninteressierten als auch bei Arbeitgebern kontinuierlich. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Immatrikulationszahlen mittelfristig wieder ansteigen werden, sobald sich der Hochschulmarkt weiter stabilisiert und neue Studienangebote ihre volle Wirkung entfalten.

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